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Marketingmitteilung
  • Casestudy
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  • 13.03.2025
Autor

Estefania Jaramillo Duarte

Engagement zu Wassersicherheit

Vom Positionspapier zur Praxis: Wie wir als nachhaltiger Asset Manager mit unseren Engagements aktiv für die Wassersicherung vorgehen.

Warum wir über Wassersicherheit sprechen

Wasser ist die Grundlage allen Lebens und doch wird es zunehmend zu einer der knappsten Ressourcen unserer Zeit. Der Umgang mit Wasser verdeutlicht die komplexe Verbindung zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Es stillt nicht nur unseren Durst, sondern treibt Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugung an. Trotzdem gilt, dass von den immensen Wassermengen auf unserer Erde nur weniger als ein Prozent als Süßwasser tatsächlich nutzbar ist. Und dieses knappe Prozent steht weltweit stark unter Druck – durch Klimawandel, Verschmutzung und Übernutzung sowie ineffizientes Wassermanagement. Dies macht Engagement im Thema Wassersicherheit essenziell.

Mit wachsender Bevölkerung, zunehmender Urbanisierung und steigender wirtschaftlicher Aktivität wächst auch der Wasserbedarf. Heute zeigt sich schon, dass in vielen Regionen der Erde die Nachfrage das Angebot übersteigt. Die Vereinten Nationen warnen: Wenn sich unserer Produktions- und Konsummuster nicht verändern, könnte bis 2030 ein weltweites Defizit von rund 40 Prozent bei der Wasserversorgung entstehen.

Die Auswirkungen reichen weit: Wasserknappheit bedroht die Landwirtschaft und damit unsere Ernährungssicherheit, verschlechtert die Lebensbedingungen in ganzen Regionen und beeinträchtigt Biodiversität. Auch wirtschaftlich sind die Folgen spürbar: wasserabhängige Branchen wie Energieerzeugung oder Industrie stehen vor wachsenden Herausforderungen und Investoren müssen steigende Risiken berücksichtigen.

Gerade deshalb ist Wassersicherheit ein Thema, das uns alle betrifft. Sie beschreibt weit mehr als den Zugang zu sauberem Trinkwasser: Es geht um die Verantwortung, einen fairen und zukunftsfähigen Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource zu finden.

Wie beeinflusst Wasser unser alltägliches Leben?

Wasser ist für Menschen aus Europa so selbstverständlich, dass wir oft vergessen, wie zentral es für jeden Moment unseres Lebens ist. Es fließt aus dem Hahn, löscht den Durst, begleitet uns durch den Alltag beim Kochen, Putzen, Duschen und ist gleichzeitig die Basis einiger Produkte, die wir täglich verwenden. Dahinter steckt jedoch eine starke Abhängigkeit: Ohne Wasser kommt kein Wirtschaftszweig, keine Stadt und keine Gesellschaft aus.

Rund 70 Prozent des weltweiten Süßwassers werden in der Landwirtschaft genutzt: um Felder zu bewässern, Vieh zu versorgen und Lebensmittel herzustellen. Weitere 20 Prozent werden in der Industrie genutzt, beispielsweise für Kühlung, Reinigung und Produktion. Nur ein kleiner Teil, etwa 10 Prozent, werden tatsächlich direkt in privaten Haushalten genutzt. Das zeigt deutlich, dass Wasserverbrauch kein individuelles, sondern ein systemisches Thema ist – wir alle sind Teil eines größeren Kreislaufs.
Wenn Wasser fehlt oder es verschmutzt wird, spüren wir die Auswirkungen schnell und überall. Ernteausfälle führen zu steigenden Lebensmittelpreisen, Stromproduktion kann eigestellt werden und Ökosysteme verlieren ihr Gleichgewicht. Sogar Krankheiten können sich ausbreiten, wenn der Zugang zu sauberem Trinkwasser fehlt.

Doch auch bei uns in Europa bleibt die Wassersicherheit keine Selbstverständlichkeit. Immer häufiger erleben wir trockene Sommer, sinkende Grundwasserspiegel und regionale Einschränkungen. Wasserknappheit trifft längst nicht mehr nur weit entfernte Länder: sie ist Teil unserer Realität.
Wasser beeinflusst also weit mehr als unseren Alltag. Die Auswirkungen spiegeln wider wie nachhaltig wir als Gesellschaft mit unserem Konsum, unserer Wirtschaft und dem Miteinander umgehen. Ein bewusster Umgang mit Wasser bedeutet für uns zwar in erster Linie Verzicht, aber auf lange Sicht Zukunftssicherung.

Engagement: das tun wir als Unternehmen, um einen Beitrag zur Wassersicherheit zu leisten

Wassersicherheit ist für uns kein Randthema, sondern ein zentrales Element nachhaltiger Unternehmensführung. Als nachhaltiger Asset Manager möchten wir Verantwortung übernehmen – nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten. Unser Engagement verfolgt dabei einem klaren Ansatz: verstehen, handeln und verbessern.

Analyse unserer Portfoliounternehmen

Am Anfang steht das Verständnis. Um gezielt wirken zu können, haben wir unsere Portfoliounternehmen sorgfältig aus zwei Perspektiven analysiert:
Wie stark ist ein Unternehmen aufgrund seines Geschäftsmodells von Wasserrisiken betroffen? Und in welchen Regionen ist es aktiv, in denen Wasserknappheit besonders relevant ist?
Diese Fragen helfen uns, jene Unternehmen zu identifizieren, bei denen Handlungsbedarf besteht. Wir betrachten dabei Richtlinien, Strategie und Prozesse sowie messbare Ziele rund um das Thema Wasser. Entscheidend ist dabei für uns die Frage, wie verantwortungsvoll ein Unternehmen mit dieser Ressource umgeht und wie transparent es darüber berichtet.

Gezielte Unternehmensdialoge

Auf Basis dieser Analyse treten wir mit ausgewählten Unternehmen in den Dialog. Ziel dieser Gespräche ist es, Bewusstsein zu schaffen, Veränderung anzustoßen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. In persönlichen Gesprächen thematisieren wir etwa, wie Wassermanagement in die Unternehmensstrategie integriert ist, ob klare Reduktionsziele bestehen und welche Maßnahmen entlang der Lieferkette umgesetzt werden.

Dabei setzen wir auf Zusammenarbeit statt Konfrontation. An mehrere Unternehmen haben wir Engagement-Briefe geschickt, um den Austausch zu vertiefen und konkrete Fortschritte anzustoßen.
Wir konnten feststellen: Unternehmen reagieren sehr unterschiedlich auf Engagement-Initiativen. Manche ergreifen die Chance, ihre Nachhaltigkeitsstrategien weiterzuentwickeln. Als positives Beispiel ist uns der US-amerikanischen Umwelt- und Entsorgungsdienstleister „Clean Harbors“ aufgefallen, wo unser Engagement zum Thema Wassersicherheit besonders gut lief.

Andere stehen jedoch noch sehr am Anfang des Prozesses und tun sich sehr schwer, in Dialog mit uns zu treten. Dazu haben wir unser Fallbeispiel mit dem brasilianischen Industriekonglomerats „Grupo Votorantim“ aufgearbeitet, wo die Zusammenarbeit leider nicht gut verlaufen ist und weiterhin offen ist.

  • Clean Habors: eine außergewöhnliche Bereitschaft

    Durch unser Engagement mit einem US-amerikanischen Umwelt- und Entsorgungsdienstleister wollten wir erreichen, dass das Thema Wassermanagement strategischer verankert und transparenter gestaltet wird. Unsere Analyse zeigte: Nachhaltigkeit ist bereits gut im Management verankert, und das Unternehmen verpflichtet sich klar zur Wassereinsparung, auch entlang seiner Lieferkette. Gleichzeitig fehlten bislang eine eigene Wasser-Richtlinie sowie konkrete, messbare Ziele.

    Im darauffolgenden Austausch hat sich das Unternehmen ausgesprochen offen und engagiert gezeigt. Es reagierte schnell auf unsere Anfragen und beantwortete alle Fragen ausführlich. Für uns war das ein deutliches Zeichen dafür, wie ernst das Thema genommen wird.

    Besonders positiv ist, dass unser Engagement spürbare Veränderungen bewirkt hat: Das Unternehmen hat eine neue Position geschaffen, die sich gezielt mit Wassermanagement beschäftigt und den weiteren Fortschritt steuert. Außerdem berichtete der Dienstleister 2024 das erste mal über seinen eigenen Wasserverbrauch. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz.

    Der Beitrag des Unternehmens zur Wassersicherheit ist beeindruckend: Mit seinem Geschäftsmodell bereitet das Unternehmen ca. das Neunfache seines eigenen jährlichen Wasserverbrauchs, etwa 15 Milliarden Liter, wieder auf und entfernt dabei Schadstoffe wie PFAS und Rohöl aus dem Wasser.

    Durch diese Fortschritte und die erkennbare Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, konnten wir das Engagement erfolgreich abschließen. Das Unternehmen kennt seine Wasserrisiken, geht sie aktiv an und zeigt, wie positiver Wandel in der Praxis aussehen kann.

  • Grupo Votorantim: Wassermanagement mit Nachholbedarf

    Unsere Analyse eines großen brasilianischen Industriekonglomerats hat gezeigt, dass es beim Thema Wassermanagement noch viel Luft nach oben gibt. Weder eine klare Wasser-Richtlinie noch eine übergreifende Nachhaltigkeitsstrategie sind vorhanden, und auch für die Lieferkette gibt es bisher keine konkreten Vorgaben. Außerdem ist unklar, wer im Unternehmen für ESG-Themen verantwortlich ist und ob Nachhaltigkeitsziele überhaupt in die Vergütung des Managements einfließen.

    Hier ist auch besonders auffällig, dass Wasser bislang nicht als relevantes Geschäftsrisiko erkannt wird. Ein gezielter Risikomanagementprozess oder verbindliche, konzernweite Ziele zum Umgang mit Wasser fehlen.

    Positiv ist immerhin, dass das Unternehmen den gesamten Wasserverbrauch seiner Portfoliounternehmen veröffentlicht. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt in Richtung mehr Transparenz.

    Mit unserem Engagement möchten wir das Unternehmen dazu bewegen, eine eigene Wasser-Richtlinie zu entwickeln, Wasserrisiken systematisch zu berücksichtigen und klare, messbare Ziele festzulegen. Trotz mehrerer Kontaktversuche hat das Unternehmen bis Ende 2024 jedoch nicht auf unsere Anfragen reagiert. Das Engagement bleibt daher offen und wir bleiben dran.

Verantwortungsvolle Investmentpraxis

Unser Engagement endet aber nicht bei den Dialogen. Wir übernehmen Verantwortung, indem wir Wasserrisiken auch in unseren Investmententscheidungen berücksichtigen. Unternehmen, die nachweislich unverantwortlich mit Wasserressourcen umgehen oder gegen ökologische Prinzipien globaler Normen wie dem UN Global Compact verstoßen, schließen wir konsequent aus.
Darüber hinaus fördern wir Transparenz: Wir unterstützen Initiativen wie die CDP-Non-Disclosure-Kampagne, die Unternehmen ermutigt, offen über ihren Wasserverbrauch und ihre Managementsysteme zu berichten. So schaffen wir die Grundlage für fundierte Entscheidungen und einen bewussten Umgang mit Wasser in der Finanzwelt.
Wassersicherheit beginnt für uns bei der Analyse, lebt durch den Dialog und zeigt Wirkung in unserer Investmentpraxis. Schritt für Schritt gemeinsam auf dem Weg zu einer nachhaltigen, wassersicheren Zukunft.

Hier mehr über unsere Engagements für Wassersicherheit erfahren

Mit dem Thema Wassersicherheit haben wir uns im Jahr 2024 erstmals intensiv auseinandergesetzt. Es war eines der zentralen Schwerpunktthemen unseres Impact Reports 2024. Neben neu gestarteten Engagements in diesem Bereich haben wir auch unsere bestehenden Engagements gegen Entwaldung konsequent weitergeführt. Die erzielten Fortschritte und Aktivitäten des vergangenen Jahres sind ausführlich in unserem Impact Report 2024 dokumentiert.

Noch intensiver haben wir uns mit dem Thema Wassersicherheit in unserem Positionspapier auseinandergesetzt. Darin beleuchten wir ausführlich die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der globalen Wasserknappheit und Wasserverschmutzung – Themen, die wir auch in diesem Artikel angesprochen haben. Gleichzeitig zeigen wir auf, welche Erwartungen wir an Unternehmen stellen und welche Lösungsansätze wir sehen, um Wasserrisiken zu reduzieren. Das Positionspapier bildet die strategische Grundlage für unser weiteres Engagement und macht deutlich, welche Verantwortung wir als nachhaltiger Asset Manager beim Schutz der weltweiten Wasserressourcen übernehmen.

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