Case Studies

Engagement ist ein Eckpfeiler unseres verantwortungsbewussten Investitionsansatzes. Durch aktiven Dialog adressieren wir Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen und kommunizieren Investorenerwartungen. Wir fördern nachhaltige Geschäftspraktiken und begleiten Unternehmen bei ihrer Nachhaltigkeitstransformation. Wir sind überzeugt, dass konstruktive Zusammenarbeit ein mächtiges Instrument für Veränderungen ist und nachhaltig agierende Unternehmen langfristig erfolgreicher sind. Mit diesem Ansatz streben wir danach, nicht nur finanzielle Renditen zu optimieren, sondern auch einen positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft und Umwelt zu leisten, getreu unserer Mission: Investments für eine bessere Welt.

Wir initiierten Engagements in Eigenregie zu dringenden Themen wie beispielsweise EntwaldungWassersicherheit und Arbeitnehmerrechte und  sprechen gezielt Unternehmen an, die in Nachhaltigkeitskontroversen verwickelt sind. Mit unserer unabhängigen Vorgehensweise behalten wir die Flexibilität und Freiheit, maßgeschneiderte Strategien zu entwickeln, unsere eigenen Nachhaltigkeitsthemen zu forcieren und unser Werteverständnis während des Engagements zum Ausdruck zu bringen.

  • Entwaldung

    Die globale Entwaldung, insbesondere der Verlust tropischer Primärwälder, stellt eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit dar. Allein im Jahr 2024 gingen weltweit rund 6,7 Millionen Hektar solcher Wälder verloren – das entspricht etwa 18 Fußballfeldern pro Minute. Trotz internationaler Verpflichtungen zur Beendigung der Entwaldung ist der Trend weiterhin negativ, mit einem Anstieg von fast 100 % gegenüber dem Vorjahr.

    Die Folgen dieses Waldverlusts sind weitreichend: massive Verluste an Biodiversität, Verstärkung des Klimawandels durch die Freisetzung gespeicherter Treibhausgase, Bodenverlust und Erosion, Störungen des Wasserkreislaufs, Zunahme von Zoonosen und Menschenrechtsverletzungen wie Vertreibung durch Landraub. All diese Auswirkungen zeigen, dass Entwaldung nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales und wirtschaftliches Risiko darstellt.

    Für Investoren entstehen dadurch erhebliche Risiken: von Reputations- und Lieferkettenproblemen bis hin zu regulatorischen Sanktionen. Gleichzeitig bietet Engagement die Chance, Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen.

    Auf Basis eines umfassenden Positionspapiers und Portfoliochecks identifizierten wir Unternehmen mit erhöhtem Entwaldungsrisiko – z. B. durch die Nutzung kritischer Rohstoffe wie Rindfleisch, Palmöl oder Kakao. Bewertet wurden Richtlinien, Prozesse und Ziele im Umgang mit Entwaldung.

    Wir traten dafür in den Dialog mit fünf Unternehmen. Ziel war es, Defizite aufzuzeigen, konkrete Verbesserungen anzustoßen und Transparenz zu fördern. Die folgenden Fallbeispiele zeigen, wie unterschiedlich Unternehmen auf dieses Engagement reagieren – und wo Fortschritte oder auch Grenzen erreicht wurden.

  • Wassersicherheit

    Wasser ist eine essentielle, aber zunehmend knappe Ressource. Weniger als 1 % des globalen Wassers steht als Süßwasser zur Verfügung – und diese Ressource wird durch Klimawandel, Umweltverschmutzung und Übernutzung zunehmend gefährdet. Prognosen der UN zufolge droht bis 2030 ein weltweites Wasserdefizit von 40 %.

    Wasserknappheit beeinträchtigt nicht nur Gesundheit, Landwirtschaft und Ökosysteme, sondern auch ganze Wirtschaftssektoren. Für Unternehmen bedeutet das Produktionsrisiken, regulatorischen Druck und Reputationsverluste. Studien zeigen: Über zwei Drittel der börsennotierten Unternehmen sehen wasserbezogene Risiken als geschäftsrelevant an.

    Als verantwortungsbewusste Investoren engagieren wir uns für ein nachhaltiges Wassermanagement. Ziel ist es, Risiken zu reduzieren und Unternehmen zu einer verantwortungsvolleren Nutzung von Wasser zu bewegen. Basierend auf einer umfassenden Risikoanalyse haben wir Unternehmen identifiziert, die entweder besonders wasserintensive Geschäftsmodelle betreiben oder in wasserkritischen Regionen tätig sind.

    Im Fokus der Analyse standen:

    1. Richtlinien & Governance (z. B. Verpflichtungen, Lieferkette, Anreizsysteme)
    2. Strategie & Prozesse (z. B. Risikomanagement, Zertifizierungen)
    3. Ziele & Metriken (z. B. quantifizierbare Reduktionsziele, Berichterstattung)

    Im Juli 2024 traten wir in den Dialog mit fünf Unternehmen, um Verbesserungsmaßnahmen anzustoßen. Die folgenden Fallbeispiele zeigen, wie unterschiedlich diese auf unser Engagement reagiert haben – von klaren Fortschritten bis hin zu ausbleibender Rückmeldung.

  • Existenzsichernde Löhne

    Weltweit verdienen etwa eine Milliarde Arbeiterinnen und Arbeiter weniger, als für einen angemessenen Lebensstandard nötig wäre – das ist etwa ein Drittel aller Beschäftigten. In 82 % der Länder liegt der gesetzliche Mindestlohn unter dem existenzsichernden Niveau. Die Lücke zwischen gezahltem Lohn und einem existenzsichernden Niveau betrifft besonders Beschäftigte in globalen Lieferketten – vor allem in Branchen mit geringer gewerkschaftlicher Organisation und hohem Kostendruck.

    Ein existenzsichernder Lohn deckt die Kosten für Wohnen, Ernährung, Kleidung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Transport sowie eine kleine Rücklage für Notfälle – und zwar ohne übermäßige Arbeitsstunden oder Verschuldung. Er variiert je nach Region und muss lokal berechnet werden. Für Unternehmen bedeutet das Fehlen existenzsichernder Löhne nicht nur ein menschenrechtliches Risiko, sondern auch konkrete wirtschaftliche Nachteile: geringere Produktivität, höhere Fluktuation und Reputationsverluste. Eine Studie der Living Wage Foundation zeigt, dass 93 % der Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlen, davon profitieren. Die Schließung der weltweiten Lohnlücke könnte zudem jedes Jahr zusätzliche 4,56 Billionen USD an Wirtschaftsleistung erzeugen.

    Als verantwortungsbewusste Investoren engagieren wir uns für die Durchsetzung existenzsichernder Löhne entlang globaler Wertschöpfungsketten. Basierend auf einer umfassenden Analyse identifizieren wir Unternehmen mit erhöhtem Risiko – weniger als 4 % der 2000 einflussreichsten Unternehmen zahlen derzeit einen Living Wage.

    Mit unserem Engagement zu Living Wages verfolgen wir drei Hauptziele:

    1. Verpflichtung & Zeitplan (z. B. verbindliche Zusage zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns an alle Beschäftigten, mit zeitlich festgelegtem Ziel zur Schließung der Lohnlücke)
    2. Methodik & Berechnung (z. B. transparente Festlegung eines existenzsichernden Lohns für alle Regionen, in denen das Unternehmen tätig ist, auf Basis anerkannter Benchmarks wie der Global Living Wage Coalition)
    3. Lieferkette & Geschäftsbeziehungen (z. B. Einsatz für die Zahlung existenzsichernder Löhne bei Zulieferern und in Geschäftsbeziehungen, faire Einkaufspreise und langfristige Lieferantenbeziehungen)

    Faire Löhne sind nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern erhöhen die Resilienz von Lieferketten, verbessern die Arbeitszufriedenheit und schaffen wachsende Absatzmärkte – ein klarer Wettbewerbsvorteil für vorausschauende Unternehmen.

  • Wanderarbeit

    Rund 168 Millionen Menschen weltweit verlassen ihre Heimat, um in einem anderen Land zu arbeiten. Sie sind die stillen Architekten unseres Wohlstands – und doch bleiben sie oft ohne Stimme, ohne Rechte und ohne Anerkennung. Getrieben von Armut und angelockt von höheren Löhnen, landen viele in Systemen mit langen Arbeitszeiten, fehlender sozialer Absicherung und Verschuldung durch Anwerbungs- und Reisekosten.

    Der überwiegende Anteil von 68 Prozent der Wanderarbeitskräfte ist im Dienstleistungssektor tätig, wobei der Frauenanteil hier über dem Durchschnitt liegt –maßgeblich bedingt durch die hohe Nachfrage nach Pflege- und Hausarbeit sowie die demografische Alterung in vielen Zielländern. Weitere betroffene Sektoren sind Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Baugewerbe. Besonders kritisch ist das Kafala-System in Ländern wie Saudi-Arabien, wo Passentzug, vorenthaltene Löhne und fehlende Arbeitsplatzsicherheit Abhängigkeiten schaffen, die moderner Sklaverei gleichkommen.

    Als verantwortungsbewusste Investoren fordern wir von Unternehmen Nulltoleranz gegenüber Zwangs- und Kinderarbeit, Transparenz in Lieferketten sowie die Verankerung internationaler Standards wie der ILO-Kernarbeitsnormen. Basierend auf unserer Analyse identifizieren wir Unternehmen mit erhöhtem Risiko und suchen aktiv den Dialog.

    Im Fokus unseres Engagements stehen:

    1. Transparenz & Lieferketten (z. B. Offenlegung von Arbeitsbedingungen, Einhaltung von Sorgfaltspflichten)
    2. Standards & Governance (z. B. ILO-Kernarbeitsnormen, Nulltoleranz gegenüber Zwangsarbeit, Anreizsysteme)
    3. Konsequenzen & Eskalation (z. B. Ausschluss und Desinvestment bei schwerwiegenden Verstößen, Wiederinvestition nur nach nachweislicher Behebung)

    Gemeinsam mit Netzwerken wie „Shareholders for Change“ arbeiten wir daran, Schutzmechanismen für Wanderarbeiter durchzusetzen – denn faire Arbeitsbedingungen sind nicht nur eine ethische Pflicht, sondern schaffen wirtschaftliche Stabilität

  • Kreislaufwirtschaft

    Das globale Müllproblem hat alarmierende Ausmaße erreicht: Jährlich werden rund 225 Millionen Tonnen Plastikmüll erzeugt, wovon etwa ein Drittel unkontrolliert in die Umwelt gelangt. In der EU fielen 2022 durchschnittlich 186,5 Kilogramm Verpackungsmüll pro Person an. Schätzungsweise 1,15 bis 2,41 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen – mit verheerenden Folgen für Ökosysteme und Gesundheit.

    Um diese Krise zu bewältigen, ist ein Wandel von der linearen Wirtschaft – Rohstoffe abbauen, nutzen, entsorgen – hin zur Kreislaufwirtschaft notwendig. Recycling ist dabei das Kernelement: Es reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen, senkt den Energieverbrauch erheblich – bei Aluminium um bis zu 96 Prozent – und schließt Stoffkreisläufe. Voraussetzung ist, dass Produkte von Anfang an recyclingfähig gestaltet werden. Für Unternehmen entstehen so geringere Rohstoffabhängigkeiten und neue Geschäftsmodelle. Seit Februar 2025 setzt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) hier strenge Vorgaben.

    Als verantwortungsbewusste Investoren setzen wir das Vermeiden und Reduzieren von Müll auf unsere Agenda. Basierend auf einer umfassenden Analyse identifizieren wir Unternehmen mit besonders verpackungsintensiven Geschäftsmodellen oder regulatorischen Risiken.

    Im Fokus unseres Engagements stehen:

    1. Recyclingfähiges Produktdesign (z. B. Monomaterialien, Vermeidung von Verbundstoffen)
    2. Recyclingquoten & Rezyklateinsatz (z. B. verpflichtender Einsatz von Sekundärrohstoffen, Schließung von Stoffkreisläufen)
    3. Transparenz & Regulierung (z. B. Einhaltung der PPWR, Offenlegung von Verpackungsmengen und Verwertungswegen)

    Unternehmen, die frühzeitig in recyclingbasierte Kreislauflösungen investieren, sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile – Nachzügler müssen mit steigenden Compliance-Kosten und Reputationsrisiken rechnen.

Alle Case-Studies im Überblick

Anlegertyp
Land
Speichern