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Marketingmitteilung
  • Kapitalmarkt
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  • 03.03.2026
Autor

Sebastian Kösters

Eskalation in Nahost

Der Iran-Konflikt schürt Unsicherheit und Inflationsängste. Was bedeutet die neue Lage für die Kapitalmärkte? Unser Kommentar analysiert die Folgen der Eskalation und zeigt, wie eine diversifizierte Strategie die Resilienz eines Portfolios erhöht.

Geopolitische Eskalation und Kapitalmärkte – Einordnung aus Multi-Asset-Sicht 

Die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und den Vereinigten Staaten sowie dem Iran am 1. März 2026 markiert eine geopolitische Zäsur. Die militärischen Auseinandersetzungen und die bestätigte Tötung des iranischen Staatsoberhaupts sowie anderer hochrangiger Regierungsvertreter haben die Region in eine Phase erhöhter Unsicherheit geführt. In einer solchen Situation steht an erster Stelle das Gedenken an die unschuldigen zivilen Opfer der Angriffe sowie das Mitgefühl mit deren Angehörigen.

Für Investoren stellt sich allerdings danach die Frage nach den strukturellen Auswirkungen auf ihr Portfolio. Die Kapitalmärkte reagierten initial mit erhöhter Volatilität, steigenden Preisen für Öl und andere fossile Energieträger sowie einer kurzfristigen Flucht in vermeintlich sichere Anlageklassen, wie den US-Dollar. Gleichzeitig verändert der Konflikt mittelfristige Erwartungen, wie bspw. eine möglicherweise höhere zukünftige Inflation durch steigende Energiekosten und höhere Seefrachtkosten. 

Als Multi-Asset-Manager profitieren unsere Portfolios in einer solchen Situation von einer breiten Diversifikation über Anlageklassen, Regionen und Risikofaktoren. In der aktuellen Phase erhöhter Unsicherheit wirkt sich insbesondere die Zusammensetzung aus Qualitätsaktien, defensiven Anleihenkomponenten sowie Realwerte stabilisierend aus. Strategische Allokationen in nachhaltige Infrastruktur und erneuerbare Energien können die geopolitische Resilienz der Portfolien zusätzlich erhöhen.  

Wie reagiert der Kapitalmarkt nach dem Angriff auf den Iran? 

Die unmittelbare Marktreaktion folgt bekannten Mustern geopolitischer Schocks:

  • Leichte Kursrückgänge und höhere Volatilität an den Aktienmärkten
  • Leichter Anstieg der Risikoprämien bei Unternehmensanleihen
  • Anstieg des US-Dollars
  • Anstieg der Energiepreise
  • Anstieg des Goldpreises

Solche Bewegungen sind Ausdruck kurzfristiger Risikoaversion. Historische Erfahrungen zeigen jedoch, dass geopolitische Ereignisse, sofern sie nicht in eine globale wirtschaftliche Krise münden, selten dauerhafte strukturelle Marktverwerfungen auslösen. Gleichzeitig blieben diesmal einige normalerweise erwartbaren Reaktionen aus. So erfolgt keine Flucht in Staatsanleihen hoher Bonität. Ganz im Gegenteil, risikofreie Zinsen in Europa und den USA stiegen an. Das sehen wir als Ausdruck steigender Inflationserwartungen durch einen möglichen Energiepreisanstieg. Es deutet auch auf eine erfreuliche Besonnenheit der Marktteilnehmer hin, die auch in der aktuellen Situation eine differenzierte Betrachtung vornehmen. Der kurzfristige Anstieg der Energiepreise wird über Inflationserwartungen berücksichtigt, aber die regional begrenzte Art des Konflikts wird nicht als Auslöser einer globalen Kapitalmarktkrise verstanden. Wir teilen diese Einschätzung.  

Krisen erzeugen Schlagzeilen, Diversifikation erzeugt Stabilität. Unsere Multi-Asset-Strategien sind darauf ausgelegt, unterschiedliche Marktphasen zu durchlaufen, ohne von einzelnen geopolitischen Entwicklungen abhängig zu sein. Disziplin und langfristige Allokation bleiben entscheidend. 

Sebastian Kösters Chief Investment Officer

Aktienmärkte 

An den Aktienmärkten blieb eine Panik-Reaktion zunächst aus. Bereits in den Tagen zuvor gab es eine Risk-Off Bewegung an den Märkten in Antizipation eines möglichen Angriffs. Amerikanische Aktien verzeichneten keine Verluste, während die europäischen Börsen leicht schwächer notierten. Dies begründet sich einerseits durch die Flucht in den “Sicheren Hafen” USA als auch andererseits durch die höhere Energie-Abhängigkeit Europas von Lieferungen aus dem Mittleren Osten.  

Stärker waren die Unterschiede zwischen einzelnen Sektoren. Es gab Kursanstiege bei Unternehmen der Öl- & Gas-Industrie, die von steigenden Ölpreisen profitieren. Auch Versorger als klassisch defensive Portfolio-Komponente blieben nachgefragt. Nicht zulegen konnten hingegen Rüstungsunternehmen. Wir sehen das als Zeichen dafür, dass der Kapitalmarkt die Welt nach dem Fall der bisherigen iranischen Regierung als sicherer einstuft. Initiale Verlierer waren Unternehmen der Tourismus-Branche, insbesondere Fluggesellschaften, deren Geschäft erhebliche Einschränkung durch die Sperrung der Lufträume sowie gestiegener Kerosinpreise erfahren. Auch produzierende Unternehmen, deren globalen Lieferketten riskanter und teurer werden, erlebten einen schwächeren Kursverlauf als Folge der gestiegenen Unsicherheit.  

Alles in allem stieg zwar die Volatilität im Markt und Investoren reagierten mit einer vorsichtigen Verschiebung von Kapital in sichere Märkte und defensivere Geschäftsmodelle. Aber das Ausmaß der Reaktion verlief in sehr überschaubaren Ausmaßen. Investoren scheinen die USA als Gewinner des Militärschlags zu werten, deren starke Positionierung in der Welt untermauert wird. Im Mittleren Osten sind viele Staaten trotz ihrer Differenzen näher zusammengerückt, da sie um die Stabilität in der Region bemüht sind.  

Die mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen hängen maßgeblich mit der Länge und dem Ausgang des Konflikts zusammen. Wir gehen von einem im Vergleich zum Krieg Russlands gegen die Ukraine ungleich kürzeren akuten Konflikt im Nahen Osten aus. Daher erwarten wir nur geringfügige Beeinträchtigung der Geschäftsaussichten der meisten global agierenden Unternehmen.  

Rentenmärkte 

Die Reaktion der Rentenmärkte fällt bislang ebenfalls moderat aus. Auffällig ist, dass – im Gegensatz zu früheren Krisen – die Renditen von Staatsanleihen initial nicht gefallen, sondern gestiegen sind. Während in der vergangenen Woche noch Renditerückgänge zu beobachten waren, notieren deutsche und amerikanische Staatsanleihen aktuell mit höheren Renditen. Das deutet darauf hin, dass der Markt derzeit vor allem das Risiko höherer Energiepreise und damit eines höheren Inflationsrisikos stärker gewichtet als die klassische Suche nach Sicherheit. Da sich die Renditen der europäischen Peripherieländer im Gleichschritt mit denen der Kernländer bewegen, ist kein zusätzlicher geopolitischer Risikoaufschlag erkennbar. Anzeichen einer Panikreaktion sind daher nicht erkennbar. 

Unternehmensanleihen guter Bonität zeigen sich leicht schwächer. Gemessen an der reinen Kreditrisikoprämie war die Ausweitung allerdings sehr gering. Sie blieb deutlich hinter der Reaktion auf den israelischen Überraschungsangriff auf Iran im Juni 2025 zurück und war ungleich geringer als nach der Zollankündigung des US-Präsidenten im April 2025. Selbst Unternehmensanleihen aus Schwellenländern reagierten nur geringfügig auf den aktuellen Konflikt.  Insgesamt sehen wir somit keine Flucht in sichere Häfen um jeden Preis, sondern ein Marktumfeld, das besonnen Inflations- und geopolitische Risiken abwägt und bewertet. Unsere Portfolios sind darauf ausgerichtet, solche Phasen mit Qualität, Diversifikation und ausreichender Liquidität abzufedern. Anpassungen erfolgen, falls notwendig, punktuell und umsichtig. 

Rohstoffe 

Die Energiemärkte reagieren erwartungsgemäß sensibel auf die Entwicklungen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Lieferwegen durch die Straße von Hormus, durch die täglich rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls transportiert werden. Trotz dieser kritischen Bedeutung sehen wir kurzfristig keinen unmittelbaren Ölpreisschock bevorstehen. Die Gründe hierfür sind, dass der Iran selbst nur etwa fünf Prozent zur globalen Ölversorgung beiträgt und zudem die aktuell noch vorhandene globale Überproduktion sowie gut gefüllte strategische Reserven den ersten Druck abfedern.  

Die eigentliche Gefahr für die Märkte liegt vielmehr in einer möglichen Eskalation und Verlängerung des Konflikts. Sollte sich die Lage zuspitzen und die freie Schifffahrt nachhaltig beeinträchtigt werden, könnte dies mittelfristig zu einer spürbaren Angebotsverknappung führen. Ein solches Szenario könnte nicht nur den Ölpreis erhöhen, sondern auch einen neuen Inflationsschub auslösen, der die Handlungsoptionen der Zentralbanken einschränken würde. Eine schnelle Lösung könnte dagegen eine Lockerung der internationalen Iran-Sanktionen nach sich ziehen und mittelfristig das Ölangebot erhöhen. Wir beobachten die Entwicklungen kontinuierlich, um die Auswirkungen auf Portfolios proaktiv zu steuern. 

In einem Umfeld, das von geopolitischer Unsicherheit und fragilen Korrelationen zwischen traditionellen Anlageklassen geprägt ist, bestätigt Gold seine Rolle als stabilisierender Portfoliobaustein. Wir sehen es als eine wertvolle strukturelle Absicherung gegen politische Schocks, unerwartete Inflationsanstiege und den damit verbundenen Vertrauensverlust an den Märkten. Seine Eigenschaft als Diversifikator ist gerade jetzt von hohem Wert, da die traditionell schützende Wirkung von Staatsanleihen in Inflationsphasen nachlassen kann. Unsere strategischen Allokationen in Gold sind daher ein wesentlicher Baustein, um die Widerstandsfähigkeit diversifizierter Portfolios zu stärken. 

Infrastruktur / Real Assets 

Der aktuelle Konflikt zeigt einmal mehr das Risiko einer strukturellen Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger. Dieses Risiko ist für Europa besonders groß, da unser Energiebedarf nicht aus eigener Förderung von Öl und Gas gedeckt werden kann. Die initiale Antwort nach dem Ende der Importe aus Russland war, sich den Ölförderstaaten im Mittleren Osten zuzuwenden. Aber selbst wenn man bereit ist sich von den dortigen Staaten anhängig zu machen, bleiben die Lieferwege risikobehaftet. Sowohl Land- als auch Seewege führen durch Länder, die geopolitische Volatilitäten aufweisen.  

Die Antwort liegt im privatwirtschaftlichen Ausbau hiesiger Energiequellen, allen voran Wind- und Solarenergie. Ein notwendiger Baustein hierfür sind aber auch der dafür notwendige Netzausbau, Speichertechnologien sowie Erforschung und  Finanzierung neuer Energieträger, wie bspw. Wasserstoff. Nur so kann sich Europa langfristig die energiepolitische Souveränität erarbeiten und unabhängiger von geopolitischen Konflikten werden, in denen Energieinfrastruktur zunehmend als politisches Instrument eingesetzt wird. 

Geopolitische Spannungen machen einmal mehr deutlich, dass Energieabhängigkeit ein strukturelles Risiko darstellt. Investitionen in erneuerbare Energieinfrastruktur sind daher nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern erhöhen auch die wirtschaftliche Resilienz und geopolitische Unabhängigkeit.

Dr. Bernhard Graeber Geschäftsführer und Leiter Real Assets

Fazit: Disziplin statt Aktionismus 

Geopolitische Eskalationen erzeugen Unsicherheit, sie ändern jedoch nicht die Grundprinzipien solider Kapitalanlage. Diversifikation, Qualitätsfokus und aktives Risikomanagement bleiben entscheidend. Wenn sich geopolitische Risiken materialisieren, ist, ungeachtet der stets damit verbunden Hektik an den Kapitalmärkten, die Analyse der Auswirkungen, Wirkungswege und möglicher Szenarien auf die Anlageentscheidung wichtiger denn je.   

Unsere Portfolios sind so strukturiert, dass sie kurzfristige Marktverwerfungen absorbieren können, ohne langfristige Renditeziele aus dem Blick zu verlieren. Nachhaltige Transformationsprozesse, insbesondere im Bereich Energie und Infrastruktur, bleiben strukturelle Trends, die unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Ereignissen fortbestehen. 

In Phasen wie diesen gilt mehr denn je: Besonnenheit ist ein Wettbewerbsvorteil. 

Risiken Multi-Asset-Fonds 

  • Risiken marktbedingter Kursschwankungen sowie Ertragsrisiko
  • Risiko des Anteilwertrückganges wegen Zahlungsverzug/-unfähigkeit einzelner Aussteller bzw. Vertragspartner
  • Wechselkursrisiko gegenüber Anlegerwährung möglich

Rechtliche Hinweise

Dies ist eine Marketingmitteilung und nicht eine Anlagestrategieempfehlung oder Anlageempfehlung nach § 85 WpHG i.V.m. Artikel 3 Abs. 1 Nr. 34 bzw. Nr. 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014. Die Mitteilung richtet sich ausschließlich an Personen, die ihren Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben. Die Inhalte dieser Unterlage dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen weder eine Anlageberatung/-empfehlung, noch ein Angebot oder eine Beratung zum Kauf/Verkauf eines Fonds dar. Allein verbindliche Grundlage für den Kauf bilden die aktuellen Verkaufsunterlagen des Fonds (Basisinformationsblatt, Verkaufsprospekt, Halbjahres- und Jahresbericht), die Sie kostenlos in deutscher Sprache auf der entsprechenden Produktseite unter https://eb-sim.de/uebersicht-investments/ erhalten. Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte den Verkaufsunterlagen. Bitte berücksichtigen Sie für Ihre Anlageentscheidung zudem alle nachhaltigkeitsbezogenen Eigenschaften und Ziele des Fonds, die Sie auf der entsprechenden Produktseite unter https://eb-sim.de/uebersicht-investments/ finden. 

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