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  • 21.11.2025
Autor

Estefania Jaramillo Duarte

Verantwortungsvoll investieren: Die Kreislaufwirtschaft als Lösung für das globale Müllproblem 

Die EB-SIM setzt das Vermeiden und Reduzieren von Müll auf ihre Agenda. Insbesondere der konsequente Abbau von Verpackungsmüll und das Stärken der Kreislaufwirtschaft schützen nach Ansicht der EB-SIM Ökosysteme und Gesundheit.

Der führende nachhaltige Vermögensverwalter will dazu verstärkt mit den Hauptverursachern aus Konsumgüterbranche, Industrie, Gesundheitswesen, Rohstoffbranche und Unternehmen im Informationstechnologiesektor in den Dialog treten (Engagements). Das betont die EB-SIM in einem aktuellen Positionspapier. 

Gemäß den Experten der EB-SIM ergibt das Vermeiden und Reduzieren von Müll nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch Sinn. Für Unternehmen entstehen durch effizienteren Materialeinsatz und weniger Rohstoffkäufe neue Geschäftsmodelle. Die Rohstoffabhängigkeit wird dadurch reduziert. Schätzungen zufolge kann eine Kreislaufwirtschaft allein in der EU bis zu 700.000 Arbeitsplätze bis 2030 schaffen. Darüber hinaus steigert sie die Wettbewerbsfähigkeit und fördert Innovationen. 

Das globale Müllproblem und seine Dimensionen 

Jedes Produkt, das in der Industrie zum Einsatz kommt oder von Verbrauchern konsumiert wird, ist zum Schutz, Transport und zur Lagerung verpackt. Nach der Nutzung entsteht daraus Verpackungsmüll. Durch die stetig zunehmende Produktion von Verpackungen und die oft falsche Entsorgung ist Verpackungsmüll zu einem globalen und wachsenden Problem geworden. Dieses hat weitreichende ökologische und soziale Auswirkungen. 

In der Europäischen Union wurden im Jahr 2022 durchschnittlich 186,5 Kilogramm Verpackungsmüll pro Person erzeugt. Zwar macht Papier und Pappe mit 40,8 Prozent den größten Anteil des Verpackungsabfalls in der EU aus. Dennoch wächst der Anteil an Plastik kontinuierlich an. Zwischen 1994 und 2017 ist er um 72 Prozent gestiegen. 

Abbildung 1: Zusammensetzung des Verpackungsmülls in der EU im Jahr 2022 (Eurostat)

Zusammensetzung des Verpackungsmülls in der EU im Jahr 2022 (Eurostat)

Die Folgen sind dramatisch: Jedes Jahr gelangen schätzungsweise zwischen 1,15 und 2,41 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane. Das „Great Pacific Garbage Patch“, die weltweit größte Ansammlung von Plastikmüll in den Meeren, hat mittlerweile eine Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern erreicht. Dieses befindet sich zwischen Hawaii und Kalifornien im Pazifischen Ozean. 

Cowger et al. (2024) haben für ihre Studie Daten aus einem fünfjährigen Projekt ausgewertet, welches Plastikteile in 84 Ländern gesammelt hat. Auf diesen waren Markenaufdrucke zu erkennen. Diese Plastikteile konnten auf diesem Wege den Produzenten zugeordnet werden. Entsprechend der Daten sind nur 56 große internationale Unternehmen für über die Hälfte des gefundenen Plastikmülls verantwortlich. 

Unkontrollierte Entsorgung: Eine globale Herausforderung 

Global werden pro Jahr durchschnittlich 225 Millionen Tonnen Plastikmüll erzeugt, was 28 Kilogramm pro Person entspricht. Etwa ein Drittel davon (knapp 70 Millionen Tonnen) wird unkontrolliert entsorgt und landet in der Umwelt. Unkontrollierter Abfall wird entweder nicht gesammelt und direkt vom Erzeuger gelagert oder verbrannt. Oder er wird unsachgemäß gelagert oder verbrannt, nachdem er gesammelt wurde. 

Abbildung 2: Prognostizierte globale Entsorgungswege bis 2050 (in Anlehnung an UNEP 2024)

Abbildung 2: Prognostizierte globale Entsorgungswege bis 2050 (in Anlehnung an UNEP 2024)

Während in Europa und Nordamerika nahezu der gesamte Müll kontrolliert entsorgt oder verwertet wird, werden insbesondere in Teilen Afrikas und Südostasiens große Mengen unkontrolliert entsorgt. Es wird erwartet, dass der Anteil dieses unkontrolliert entsorgten Mülls im Verhältnis zur gesamten Müllmenge weiter zunehmen wird. 

Die unsachgemäße Entsorgung hat gravierende Konsequenzen über die Umweltverschmutzung hinaus: 

  • In Entwicklungsländern sterben Schätzungen zufolge jährlich zwischen 400.000 und einer Million Menschen an Krankheiten. Diese sind auf unsachgemäß entsorgten Abfall zurückzuführen. 
  • Falsch entsorgter Müll verstopft Wasserwege und Abflüsse, was zu Überschwemmungen, wasserbedingten Krankheiten oder Ertrinken führen kann. 
  • Er trägt zur Ausbreitung krankheitsübertragender Fliegen, Mücken und Ungeziefer bei. Diese verbreiten Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber, Typhus, Tuberkulose, Tollwut und Pest. 
  • Unsachgemäße Verbrennung setzt Giftstoffe frei, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen erhöhen können. 

Hoher Ressourcenverbrauch und ökonomische Relevanz 

Ein weiteres Problem des Verpackungsmülls ist der hohe Verbrauch natürlicher Rohstoffe für die Herstellung von Verpackungen. Jährlich werden weltweit über 100 Milliarden Tonnen natürlicher Rohstoffe abgebaut. Dies geschieht direkt aus der Natur und hat negative Folgen für Mensch und Umwelt. Prognosen gehen von einem weiteren Wachstum des Abbaus natürlicher Ressourcen um mehr als 60 Prozent bis 2060 aus. Viele dieser Rohstoffe werden zu Verpackungsmaterialien wie Papier, Pappe, Plastik, Glas oder Metall weiterverarbeitet. Ein Hauptgrund für den hohen Abbau ist, dass von den 100 Milliarden Tonnen pro Jahr nur etwa 7,2 Prozent recycelt werden. 

Die Problematik des falsch entsorgten Verpackungsmülls hat auch eine ökonomische Relevanz: 

  • Die Entsorgung von Verpackungsmüll (Abholung, Transport, eigentliche Entsorgung) ist teuer. 
  • Die Herstellung neuer Verpackungen ist ressourcenintensiv und ebenfalls teuer, wenn altes Material nicht recycelt oder wiederverwendet werden kann. 
  • Regulatorische Risiken können Unternehmen zu kostspieligen und kurzfristigen Umstellungsprozessen zwingen, wenn bestimmte Materialien nicht mehr zulässig sind. 

Zu den Branchen, die am stärksten mit Verpackungsmüll in Verbindung stehen, gehören die Konsumgüterbranche, die Industrie, das Gesundheitswesen, die Rohstoffindustrie und die Informationstechnologiebranche. 

Der Weg in die Kreislaufwirtschaft 

Um das globale Müllproblem und seine negativen Folgen anzugehen, ist ein Wandel von der linearen Wirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft notwendig. Im linearen Modell werden natürliche Rohstoffe abgebaut, zu Produkten und Verpackungen verarbeitet und nach der Nutzung als Abfall entsorgt. In einer Kreislaufwirtschaft hingegen verschwindet der „Abfallschritt“ idealerweise vollständig. Durch Recycling, Wiederverwendung, Rückgabe oder Reparatur werden Produkte und Verpackungen weiterverwendet oder zu neuen Rohstoffen verarbeitet.

 Recycling als Kernelement 

Recycling ist der wichtigste Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Es reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen und minimiert die Umweltbelastung durch Müll. Allerdings gibt es Herausforderungen: 

  • Komplexität der Materialien: Verbundmaterialien, Mehrschichtkunststoffe und Verunreinigungen erschweren das Recycling. Dies führt oft dazu, dass Verpackungen nur „downgecycelt“ oder gar nicht verwertet werden können. 
  • Mangelnde Infrastruktur: Nicht alle Länder verfügen über ausreichend entwickelte Recyclingsysteme, was ein globales, einheitliches Recycling erschwert. 
  • Fehlende Nachfrage nach Rezyklaten: Die Qualität von Rezyklaten erfüllt nicht immer die Anforderungen für die Herstellung neuer Produkte. Dies beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit von Recyclingprozessen. 
  • “Wishcycling”: Die gut gemeinte, aber falsche Entsorgung von nicht recycelbaren Materialien im Recyclingstrom kontaminiert diesen und erhöht den Aufwand für die Sortierung 

Um diese Schwierigkeiten zu minimieren, ist das „Design für Recycling“ der beste Weg. Hierbei werden Verpackungen so gestaltet, dass sie nach der Nutzung möglichst zu 100 % recycelt werden können. Beispielsweise indem eine Spülmittelflasche nur aus einer Sorte Plastik besteht und ablösbare Etiketten verwendet werden. 

Europäische Union will Verpackungsmüll reduzieren 

Die EU treibt die Reduzierung von Verpackungsmüll, insbesondere Plastikmüll, voran. Seit 2021 sind bereits viele Einwegprodukte aus Plastik (wie Einwegbesteck, Teller, Strohhalme) EU-weit verboten. Zudem trat im Februar 2025 die „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR) in Kraft. Die PPWR zielt darauf ab, Verpackungs- und Abfallmengen zu minimieren. Darüber hinaus soll der Verbrauch von Primärrohstoffen gesenkt und der Übergang zu einer kreislauforientierten Wirtschaft gefördert werden. 

Kernpunkte der PPWR sind unter anderem: 

  • Weniger verschwenderisch: Kunststoffverpackungen müssen teilweise aus recyceltem Material hergestellt werden. 
  • Mehr recycelbar: Bis 2030 müssen alle Verpackungen so gestaltet werden, dass sämtliche Teile wiederverwendet werden können. 
  • Klar gekennzeichnet: Keine verwirrenden Etiketten oder Farben mehr, um die Müllsortierung zu vereinfachen. 
  • Verpackungen mit gesundem Menschenverstand: Keine Schichten aus unnötigen Verpackungen oder Pellets mehr bei Lieferungen. Kleine, leichte Verpackungen ohne Leerraum. 
  • Wiederverwendung, Wiederbefüllung & Sammlung: Stärkung der Pfand- und Rücknahmesysteme; Unternehmen müssen Wiederverwendungs- oder Nachfülloptionen anbieten. 
  • Fairness & Sicherheit: Marken, die nicht recycelbare Materialien verwenden, müssen für deren Entsorgung bezahlen; die Verwendung von „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS) wird eingeschränkt. 

Verantwortung als Investor 

Als nachhaltiger Asset Manager nimmt die EB-SIM diese Verantwortung wahr. Sie sieht es als ihre Aufgabe, Unternehmen auf diesem Weg zu unterstützen und zu konkreten Maßnahmen zu ermutigen. Dazu tritt die EB-SIM mit den Unternehmen in den Dialog (Engagement). 

Mit ihren Engagements will sie positive Veränderungen bewirken und Unternehmen dazu anregen, ihren Umgang mit Verpackungsmüll zu stärken. Dies betrifft sowohl die eigenen Prozesse als auch die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette mit ihren Zulieferern. 

Über den Stand ihrer Engagements berichtet die EB-SIM jährlich in ihrem Impact-Report.

Gestalten Sie die Zukunft mit uns. Investments für eine bessere Welt. 

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